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Reshad Feild
Die spirituelle Bedeutung des Atems und die innere Essenz der Sufi-Lehren

Reshad Feild (geboren 1934 als Richard Timothy Feild) war ein englischer Mystiker, spiritueller Lehrer, Musiker und Schriftsteller. Er ist Autor von rund zwanzig Büchern über Spiritualität, das Geheimnis des Atems und die innere Essenz der Sufi-Lehren und hatte seit den 1970er Jahren einen bedeutenden Einfluss auf Tausende von Sinn suchenden Menschen im Westen. 

 


Als junger Engländer durchlief er eine für die britische Upperclass typische Internatserziehung in Eton, bevor er zwei Jahre lang bei der Royal Navy diente. Danach wurde er Folksänger und reiste – als »spiritueller Hippie«, wie man es damals vielleicht ausgedrückt hätte – singend um die halbe Welt. Auf seinen Reisen war er unter anderem auf eine Derwisch-Bruderschaft und damit den mystischen Zweig des Islams gestoßen. Dieses Zusammentreffen sollte den Beginn einer vollständigen Veränderung in seinem Leben markieren.

 


Wieder zurück in England, kam er in Kontakt mit den Lehren von G.I. Gurdjieff und P.D. Ouspensky, während er unter anderem als »singender Kellner« im damals bekannten Londoner Restaurant Luba’s Bistro auftrat, das von G.I. Gurdjieffs Nichte geführt wurde. Zu jener Zeit nannte er sich noch »Tim«. Als er schließlich Tom, dem Bruder der damals noch unbekannten Dusty Springfield, begegnete, entfaltete sich seine Karriere als Folksänger über das Kabarett ins Radio und ins Fernsehen. Die drei gründeten zusammen die Folkband The Springfields, welcher 1962 eine nationale Auszeichnung als »Gesangsgruppe des Jahres« verliehen wurde (siehe YouTube). Später zog sich Tim von den Springfields zurück und wurde durch den Sänger Mike Hurst ersetzt. Die Gruppe löste sich schließlich auf, als Dusty ihre eigene, sehr erfolgreiche Solokarriere startete. Tim wurde Antiquitätenhändler in London.

 


Während jener Zeit lernte er Pir Vilayat Khan, den Leiter des Internationalen Sufi-Ordens, kennen, der ihn initiierte und ihm den Namen »Reshad« gab. In der Folge verließ Reshad das Antiquitätengeschäft und half mit, ein spirituelles Studienzentrum aufzubauen und zu leiten. Dieses Zentrum entstand auf der ehemaligen Swyre Farm in Gloucestershire und lag in unmittelbarer Nähe von Sherborne House, der spirituellen Schule von John G. Bennett, zu dem freundschaftliche Beziehungen bestanden. Als Name des Zentrums wurde Beshara gewählt, und zwar auf Vorschlag jenes Mannes, der mittlerweile Reshads wichtigster spiritueller Lehrer geworden war: Bulent Rauf, ein türkischer Autor und Übersetzer, der selbst aus einer langen – auf den andalusischen Mystiker Muhyiddin Ibn Arabi (1165–1240) zurückgehenden – Linie des Sufismus stammte und den Reshad in seinem ersten Buch Die letzte Schranke – Ich ging den Weg des Derwischs »Hamid« nennt. Dieses in viele Sprachen übersetzte Werk gilt heute als ein Klassiker der modernen spirituellen Literatur. Es erzählt die spannende Geschichte von Reshad, wie er in einem Antiquitätengeschäft in London auf Bulent trifft, und den Beginn seiner anschließenden abenteuerlichen Reise, die sein ganzes Leben verändern sollte. Einige der Ereignisse im Beshara-Zentrum beschreibt übrigens Reshads damaliger Weggefährte Rafi Zabor in seinem eigenen autobiografischen Buch I, Wabenzi (/Amazon).

 


Im Dezember 1971 reisten Reshad und eine Gruppe von Studenten auf Anregung von Bulent Rauf nach Konya in der Türkei, um die heilige Sema-Zeremonie des Mevlevi-Derwischordens, der auch als »die wirbelnden Derwische« bekannt ist, zu studieren. Während dieses Besuchs traf er den damaligen Scheich der Mevlevi-Derwische, Suleyman Dede, der Reshad als Scheich in jenen Orden initiierte. 1973 zog sich Reshad von seiner leitenden Rolle im Beshara-Zentrum zurück und wurde von Bulent Rauf angewiesen, nach Vancouver in Kanada zu gehen, wo er ein Studienzentrum ins Leben rief. Später wurden weitere Zentren in Kalifornien, Boulder (Colorado) und in Mexiko aufgebaut. An all diesen Orten half Reshad unter anderem mit, die Sema-Zeremonie einzuführen, die 2005 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

 


In den frühen 1980er Jahren zog Reshad nach Europa, wo er in der Schweiz ein großes Studienzentrum namens »Johanneshof« am Vierwaldstättersee bei Luzern etablierte, in dem er als Berater tätig war. Der Johanneshof wurde international bekannt, und bis zu seiner Auflösung 1995 fanden Hunderte von Menschen aus vielen Nationen ihren Weg dorthin, um in einer brüderlich-schwesterlichen Gemeinschaft auf ihrer eigenen Suche nach dem Sinn des Lebens voranzukommen. Im Laufe der Jahre wandte sich Reshad – trotz seiner stets großen Achtung vor allen authentischen Traditionen – in seiner Lehrtätigkeit immer weiter von der äußerlichen Form ab, die er als »ein lediglich auf bestimmten Etappen der Reise notwendiges Gepäckstück« betrachtete, das, wenn der Suchende entschlossen weiterschreitet, nach und nach zurückgelassen werden kann.
 


Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Reshad Feild zurückgezogen in England. Auf die Frage, welcher spirituellen Tradition oder Linie »der Weg der Liebe, des Mitgefühls und des Dienens« folgt, sagte er: »Wir suchen nach Erkenntnis, aber Erkenntnis ist nicht einfach Information. Wir suchen nach Selbsterkenntnis. ›Wer sich selbst kennt, kennt seinen Herrn.‹ Man muss lernen, sich aller Etiketts und Schubladen zu entledigen, die in der Vergangenheit vielleicht noch gebraucht wurden. Denn es gibt nur ein einziges Absolutes Dasein. In dem Sinne sind wir ganz einfach nur Menschen des Weges.«


Reshad Feild starb am 31. Mai 2016 in Devon.

 

 

 

Erleben Sie den Autor Reshad Feild im Video...

 

 

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